Geschenk
Irgendwann nimmt man die Sommerdämmerung nicht mehr wahr. Gefangen von den großartigen Stimmen und vom Spiel auf der Bühne, während das von Hartmut und Stefan gesetzte Licht eine immer größere Wirkung entfaltet. Im Rittersaal geht noch immer der Wind um. Am Ende ist es dunkel, das Licht auf der Bühne verlöscht. Es fehlt lediglich der Applaus.
An diesem, wohl einer der schönsten und wärmsten Tages des Jahres, diese Probe unter "realistischen Bedingungen" erleben zu können, ist irgendwie ein Geschenk. Oder Glück. Nun ja, nicht ganz, denn seit dem vergangenen Jahr darf ich die Heidenheimer Opernfestspiele im Rahmen der opernwerkstatt begleiten. Das große Glück ist, diese Produktion wachsen sehen zu können, die Entstehung verfolgen zu können.
Vom Künstler-Empfang über die ersten "Sitzproben", den ersten Szenenproben, dem Einleuchten, den Kostüm-Anproben bis hin zu den ersten "Durchlauf"-Proben; in diesen gut sechs Wochen entsteht eine Opern-Produktion, in diesem Jahr die einzige Oper, die Ludwig van Beethoven schrieb: Fidelio. Die opernwerkstatt, die ein besonderes Augenmerk auf die Mitwirkenden neben und hinter den Kulissen wirft, darf einfach dabei sein. Auch hinter der gewaltigen Mauer des Rittersaals von Schloss Hellenstein, also "backstage", wo die Container für die Künstler, die Maske und die Garderobe sind.
Die besondere Atmosphäre hier zu erleben, ist für mich etwas Besonderes. Und ich weiß es sehr zu schätzen, hier sein zu dürfen. Inmitten eines erneut großartigen Teams aus Technik, Mitwirkenden und Künstlern, die in so kurzer Zeit etwas Großartiges auf die Beine stellen. Gleiches gilt auch für die diesjährige Kinderproduktion "Schaf". Hier in diesem Jahr Martin Philipp erneut als Regisseur zu sehen - er war im letzten Jahr der Regisseur der grandiosen "Tosca"-Inszenierung - war mehr als ein nettes Wiedersehen.
Der vorläufige Dank geht in jedem Fall schon mal an das eigene Team: Matthias Masel, der großartige "Werkstattgespräche" für die werkstatt schreibt, an Markus Rollbühler, der neben seiner Video-Qualität auch sein fotografisches Auge auf die Oper wirft, und an Johannes Guldner, der starke Mann hinter der Video-Kamera. Der Dank ist, wie gesagt, nur vorläufig, denn wir haben noch mindestens fünf Wochen Festspielzeit vor uns.
cdv!